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Königin wird Chef

 

Die Königin - Mutter von Italien Margherita wird Chef des

"Kurhessischen Jägerbataillon Nr.11“

 

Es war Herbst 1897. Das XI. Armeekorps hatte Kaisermanöver. Zwei Tage vor der Kaiserparade teilte der Kommandant des Hauptquartiers dem Generalkommando mit, daß zur Kaiserparade, die in der Nähe von Bad - Homburg stattfinden sollte, der König und die Königin von Italien mit Sonderzug auf dem Bahnhof Bad Homburg eintreffen und vom Kaiser empfangen würde. Das XI. AK hatte somit eine Ehrenkompanie zu stellen. Der Kommandierende General, General der Inf. von Wittich, war gerade im Begriff eine Erkundungsreise durch das Manövergelände anzutreten. Begleitet von seinem Adjutanten, Graf von Pfeil, fuhren sie auch zu dem Bahnhof Bad Homburg um festzustellen, wie dort die Ehrenkompanie zu platzieren sei. Für eine Inf. Ehrenkompanie mit Fahne, Musik, Spielmannszug, allen direkten Vorgesetzten mit ihren Adjutanten und sonstigen Offizieren des Stabes benötigte man etwa 145 Schritt. Nun hatte Bad - Homburg aber nur einen kleinen Bahnhof. Der Bahnsteig, dessen Länge der Adjutant, Graf von Pfeil, abschreiten mußte, war aber nur knapp 100 Schritt lang.

Der kommandierende General wurde ganz aufgeregt das geht doch gar nicht. Da müssen wir ja eine Rampe bauen, aber wie sieht das aus! Wir machen uns ja lächerlich". Der Adjutant, Graf von Pfeil, zieht aus dem Ärmelaufschlag seines Überrocks einen Briefumschlag und wirft auf dessen Rückseite schnell ein paar Zahlen. Dann wendet er sich an seinen General: "Exzellenz, ich habe einen Gedanken" Na und das wäre, fragte der General. Wir nehmen statt einer Infanteriekompanie eine Kompanie der 11. Jäger. Diese ist etwa 20 Rotten schwächer, und der Spielmannszug fällt weg. Die Musik der Jäger hat keine Pauke, kein Schlagzeug und keine keine Trommel und ist außerdem noch um sechs Rotten schwächer als die Musik eines Infanterie - Regimentes. Außerdem sparen wir den Platz für drei Vorgesetzte mit ihrer Begleitung. Alles in allem sparen wir so mindestens 55 Schritte, damit kommen wir aus.

 

"Pfeil, Sie sind doch ein Mordskerl" sagte hierauf sichtlich erleichtert der General. Veranlassen Sie das Weitere. Der Besuchstag kam. Auf dem Bahnsteig steht eine Kompanie der 11. Jäger in Paradeaufstellung,  am rechten Flügel die Fahne, flankiert von zwei Fahnenoffizieren, rechts davon der Kompaniechef, Hauptmann Freiherr von Buttlar, rechts von ihm die Musik und rechts von dieser der Bataillons Kommandeur, Major von Borries mit seinem Adjutanten Sec.Lt Maidenhauer. Außerdem waren bei der Ehrenkompanie angetreten die Prem. Leutnants Arndts und Weerth sowie die Sek. Leutnants Becker, Freiherr Schenk zu Schweinsberg und Freiherr Nordeck zu Resbenau. Dem  Kommandierenden General wird die Kompanie gemeldet. Er nimmt mit den Herren seines Stabes seinen Platz rechts vom Bataillons Kommandeur ein. Da kommt auch schon das Kaiserpaar mit Gefolge.

 

Als der Kaiser die Jägerkompanie sieht, sagt er etwas erstaunt zum General v. Wittich: "Ach, Sie haben eine Jägerkompanie als Ehrenkompanie befohlen!" Der General konnte nur noch "Zu Befehl Euer Majestät" antworten, denn schon fuhr der Sonderzug ein. Dem Salonwagen entstieg König Humbert von Italien, ihm folgte die schöne Königin Margherita. Nach der Begrüßung schreitet der Kaiser mit seinen Gästen die Front ab, wobei die Königin zum Kaiser sagte: "Was sind das für schöne Soldaten, was haben sie für schmucke Uniformen! Mit ihren Haarbüschen erinnern sie mich etwas an unsere Bersaglieri !" Am gleichen Abend ist im Schloßhof großer Zapfenstreich. Am folgenden Tag die große Kaiserparade.

 

Der nächste Tag ist Sonntag. Für die in Homburg liegenden Truppen ist Feldgottesdienst befohlen. Aber noch ein anderer Befehl wird dem Kommandierenden General durch einen Flügeladjutanten überbracht: "Am Sonntag um 11 Uhr steht das 11. Jägerbataillon auf der großen Wiese im Schloßpark in Paradeaufstellung." In einem offenen Viereck nimmt das Bataillon wie befohlen Aufstellung. Es erscheint der Kaiser mit der Königin Margherita am Arm, hinter ihnen die Kaiserin mit König Humbert und das Gefolge. Nachdem der Bataillonskommandeur das Bataillon gemeldet hat, hält der Kaiser eine kurze Ansprache mit der er den Jägern mitteilt, daß er ihre Majestät die Königin Margherita von Italien zum Chef des 11. Jägerbataillon ernannt habe. Dann schreitet er mit dem hohen Chef die Front ab. Es folgt der Vorbeimarsch.

So bekamen die Jäger ihren hohen Chef.

 

 

   

Der Besuch der Königin - Mutter Margherita von Italien in Marburg

"Heute früh durcheilte mit Windeseile die Kunde durch unsere alte Hessenstadt, daß ihr unerwartet die hohe Ehre eines Besuches seitens der Königin, Mutter Margherita von Italien zu Teil werden sollte. Selbstredend wetteiferte bald Bürgerschaft und Militär miteinander, um die nötigen Anstalten zu einem würdigen Empfang des hohen Gastes zu treffen.

Bekanntlich hat die Königin Margherita zu der Stadt Marburg auch noch andere Beziehungen, wie die eines Chefs des hier garnisonierten Kurhessischen Jägerbataillons Nr.11. Es ist dies ihre Abstammung von der heiligen Elisabeth, deren Gebeine hier in dem wegen seiner Eigenart weltberühmten Elisabethkirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Daß die heilige Elisabeth ihre Stammmutter ist, hat die Königin Margherita erst gelegentlich ihres 51. Geburtstages am 20 November erfahren, als ihr im Namen des Offizierkorps des Jägerbataillons Herr Oberleutnant Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg im Schlosse  Stupinizi in Italien als Geschenk eine künstlerisch im Stile des 13. Jahrhunderts vom Professor Hildebrand nach dem Muster des berühmten Stammbaums Christi in Hildesheim hergestellte Stammtafel überreichte. Die Königin war damals über das sinnige Geschenk um so mehr erfreut, als ihr, wie sie sich ausdrückte, die Abstammung von der heiligen Elisabeth durch das Haus Hessen völlig neu sei. Sie gab damals auch zugleich die Zusicherung, daß sie im nächsten Jahre nach Deutschland kommen und dann jedenfalls auch nicht versäumen würde, die Grabstätte der heiligen Elisabeth und ihr hessisches Jägerbataillon zu besuchen. Gelegentlich ihrer Rückreise von Dänemark, wo sie zu Besuch weilte, nach ihrer Heimat im sonnigen Süden ist die Königin jetzt ihrem

Schulterklappe des JgBtl 11, das "M" steht für Königin Margherita von Italien

Versprechen nachgekommen. Als um 6.43 Uhr der Casseler Schnellzug, der die Königin brachte, in den Hauptbahnhof einlief, hatte Marburg sein herrlichstes Festkleid angelegt. Alle Straßen und Häuser nach der Nord-, Ost- und Südseite hin waren bis zum altertümlichen Schlosse hinauf prächtig illuminiert und hier und da flammten Feuerwerkskörper zum dunklen Nachthimmel empor. Unweit von dem Bahnhofe hatte man in aller Eile auch noch eine mächtige Ehrenpforte gebaut. Selbstredend war ganz Marburg auf den Beinen, vom Bahnhofe bis zur Elisabethkirche hin standen die Tausende dicht gedrängt Kopf an Kopf. Feuerwehrleute in Uniform und Militär bildeten Spalier, in der Nähe der Kaserne hatte sich der Kriegerverein aufgestellt. Zum Empfange der Königin waren am Bahnhofe anwesend der eigens zu diesem Zwecke hier hergekommene Kommandeur des 11. Armeekorps Exzellenz von Wittich aus Cassel, der Kommandeur des Jägerbataillons, Herr Oberstleutnant von Borries und Oberleutnant Freiherr Schenk zu Schweinsberg.

Als die Königin am Arme des Generalleutnants v. Wittich den Bahnhof verließ und im Wagen Platz nahm, brach das Publikum in stürmische Hochrufe aus. Die Fahrt ging nun zunächst nach dem Elisabeth-Dom, welcher bekanntlich nächst der Liebfrauenkirche in Trier das Älteste unter den reingotischen Bauwerkens Deutschlands aus der Zeit des 13. Jahrhunderts ist. Die Führung hatte hier der Herr Stadtschuldirektor Dr. Seehausen übernommen. Die hohe Frau betrachtete mit Interesse das Grabmal der heiligen Elisabeth und die sonstigen in dieser Kirche vorhandenen reichen Schätze  der Architektur, der Bildnerei und der Malerei. Nach der Besichtigung der Kirche begab sich die Königin durch das Biegenviertel, von wo man einen prächtigen Blick auf unsere im Lichtermeer strahlende Bergstadt hatte, nach der prächtig dekorierten Kaserne. Hier hatte unterdes das Bataillon im Scheine der Fackeln Aufstellung

genommen. Herr Oberstleutnant v. Borries wies hier in kurzen Worten auf die hohe Ehre hin, welche dem Bataillon durch den hohen Besuch zuteil geworden sei, und endete mit einem Hoch auf die Königin Margherita.

Namens der letzteren, die sichtlich erfreut war, dankte Herr Generalleutnant

Exzellenz v. Wittich und brachte zum Schluß ein Hoch auf Seine Majestät

den Deutschen Kaiser aus. Die Jägermusik spielte dann die italienische und die deutsche Nationalhymne. Von hier aus folgte die hohe Frau einer Einladung des Offizierkorps ins Kasino, wo ihr ein prächtiges Blumenbukett überreicht wurde.

Um 9 Uhr fuhr die Königin wieder unter den brausenden Hochrufen des Publikums nach dem Bahnhofe und reiste in der Richtung Süden weiter. Marburg und sein Jägerbataillon kann aber darauf stolz sein, daß es, trotzdem der Besuch überraschend kam, der Königin Margherita doch einen so herrlichen Empfang bereiten konnte.

Wer diesen Bericht geschrieben hat und aus welcher Zeitung er stammt, konnte ich nicht feststellen.